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Ja, sie sitzen quasi im Flieger mit zwei brennenden Triebwerken, und der Pilot sagt zur Beruhigung, die Tanks sind noch voll. Natürlich wünschen sie viele in diesem Moment, sie wären nicht eingestiegen.
Das bedeutet aber nicht, dass die Entscheidung den Flieger zu besteigen falsch war. Oder dass niemand mehr fliegen soll, denn sowas hätte ja jeden treffen können.
Deine fortgesetzten Vergleiche eines möglichen GAUs mit einem möglichen Flugzeugabsturz waren von Anfang an dümmlich, deshalb stand dieses Thema wohl auch im Unterforum "Spiel & Spaß". Der Unterschied zwischen einem Flugzeugabsturz und einem Super-GAU ist selbstverständlich der, dass bestimmte Technikversagen derart gravierende, grenzüberschreitende Folgen haben, dass man sie sich grundsätzlich nicht leisten will und die Technik deshalb nicht nutzen kann.
Theoretisches Beispiel: Ein neuartiger Fusionsreaktor, der absolut sauber arbeitet und sämtliche Energieprobleme des Planeten löst, statistisch jedoch alle 100.000 Jahre ein schwarzes Loch erzeugt, welches das Sonnensystem verschlingt, ist nicht praktikabel. Die Welt kann sich dieses Restrisiko einfach nicht leisten, nicht nur, weil es die Lebenserwartung des Sonnensystems auf maximal 100.000 Jahre begrenzen würde, sondern weil der GAU jeden Moment eintreten könnte. Bestimmte menschengemachte Katastrophen sind einfach "too big too fail", man kann sie sich nicht leisten. GAUs gehören in diese Kategorie, ein zweites Tschernobyl ist nicht akzeptabel, insbesondere nicht in dicht besiedelten Gebieten. Man braucht keine überragenden intellektuellen Fähigkeiten, um solche Zusammenhänge zu erkennen – auch normale Bürger verstehen sie. Der Beweis, dass die japanische Atomwirtschaft einen grundsätzlich nicht akzeptablen Super-GAUs nicht mit hinreichender Sicherheit ausschließen kann, wurde in den letzten Tagen leider erbracht, und zwar unabhängig davon, wie die aktuelle Geschichte nun ausgeht.
Die Parallelen zur jüngsten Krise des Finanzsystems sind frappierend, auch hier wurde vorher quasi-religiös gepredigt, dass das System sicher und selbsterhaltend sei und staatliche Kontrollen und Einschränkungen absolut unnötig und kontraproduktiv wären. Im Notfall habe man alles im Griff. Dann brach innerhalb kürzester alles zusammen und die Welt schrammte um ein Haar an einem globalen Kollaps des Finanzsystems vorbei, die staatliche Notrettung verschlang und verschlingt Unsummen. Glücklicherweise ging es (vorerst) nochmal gut, doch anstatt aus dem Problem Konsequenzen zu ziehen und einen Paradigmenwechsel einzuleiten, läuft inzwischen wieder mehr oder weniger alles so weiter wie vorher. Offenbar so lange, bis es zum totalen finanziellen "Meltdown" kommt.
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